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Das Prinzip des Solmisierens

Solmisieren ist zunächst nichts weiter als eine spezielle Art zu singen, bei der jede einzelne Tonstufe einen bestimmten Namen erhält. Anders als beim textgebundenen oder vokalisierenden Singen wird jedem Ton beim „Aussprechen“ des jeweiligen Namens seine Bedeutung als Grundton, Leitton, Dominante etc. innerhalb der Melodie zugewiesen. Bei der Relativen Solmisation geschieht dies unabhängig von der absoluten Tonhöhe. Das bedeutet: die Bezeichnung der einzelnen Tonstufen ist in jeder Tonart gleich (z.B. gilt für Dur-Tonarten: Grundton = Do - egal, ob die Melodie in C-Dur oder in Fis-Dur steht).

Aber nicht nur die einzelnen Töne erhalten beim Solmisieren die ihnen eigene, funktionale Bedeutung. Vor allem die Abstände zwischen ihnen prägen sich durch die Belegung mit immer den gleichen Bezeichnungen als feste Tonbeziehung ein (z.B. Ti → Do‘ = kleine Sekunde = Leitton-Grundton-Beziehung). So gesehen ist die Solmisation eine Technik, sich beim Singen zeitgleich die Funktionen der einzelnen Tonstufen und damit auch ihr Verhältnis zueinander bewusst zu machen.

Die Relative Solmisation stellt aber noch keine Lehr- oder Unterrichtsmethode dar, obgleich sie in vielen musikpädagogischen Konzepten eine Rolle spielt. Es kann immer nur von Lehrsystemen auf Basis der relativen Solmisation oder solmisationsgestützten Unterrichtsmethoden die Rede sein.

Die Silben

Die heute gebräuchlichen Singsilben gehen auf Guido von Arezzo (ca. 1000 - 1050) zurück. Sie lauten für die Stammtöne der Durtonleiter Do Re Mi Fa So La Ti (Do'), für die Molltonleiter entsprechend La, Ti, Do Re Mi Fa So (La). Für die alterierten Töne existieren uneinheitliche Bezeichnungen, die jedoch alle deutlich machen, von welchem der Stammtöne die jeweilige Alteration ausgeht. Zoltán Kodály verwendet für eine chromatische Tonleiter die Tonsilben:
Do Di  Re Ri oder Ma Mi Fa Fi So Si oder Lo La Ta Ti (Do').

Die Handzeichen

In den meisten Lehrsystemen, die auf Basis der Relativen Solmisation entstanden sind, wird jeder Tonstufe zusätzlich zu ihrem Namen noch ein bestimmtes Handzeichen zugeordnet. Diese Handzeichen wurden erstmals in der „Tonic-Sol-Fa“-Methode des englischen Predigers und Hilfslehrers John Curwen (1816–1880) verwendet und sind seitdem untrennbar mit dem Begriff der Solmisation verbunden.