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Nachruf auf Dieter Glaap (1954-2016)

Dieter Glaap, langjähriger Dozent und Fachleiter für Medienpädagogik der Akademie der Kulturellen Bildung, ist am 4. März 2016 an einem Herzleiden gestorben. Obwohl er schon seit längerem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, kam sein Tod doch plötzlich und unerwartet. Besonders traurig ist, dass Dieter Glaap erst seit vier Monaten im Ruhestand war und nun keine Zeit mehr hatte, die arbeitsfreie Zeit zu genießen.

Dieter Glaap kam 1986 an die Akademie der Kulturellen Bildung. Er hatte Sozial- und Kommunikationswissenschaften studiert und brachte eine Kombination aus Berufserfahrungen, Forschungsinteressen und Neigungen mit, die für jene Zeit unüblich war – und gerade deshalb so gut in das Programm der Akademie der Kulturellen Bildung passte: Dieter Glaap hatte beim Westdeutschen Rundfunk als Fernsehredakteur und -produzent gearbeitet. Er war in der kommunalen Jugendhilfeplanung und in der praktischen Jugendarbeit vor Ort und in internationalen Jugendbegegnungen tätig – und er hatte bereits erfolgreiche Konzepte für die medienpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelt.

In den 1980er-Jahren zeichnete sich ab, dass die elektronischen Medien künftig eine noch viel bedeutendere Rolle in der Alltagskultur von jungen Menschen spielen würden, als es bis dahin schon der Fall war. Der Jugendschutz schlug Alarm wegen gewaltverherrlichender und jugendgefährdender Inhalte, insbesondere des neuen Mediums Video. Dieter Glaap setzte dem bewahrenden pädagogischen Ansatz ganz bewusst seine Ideen und Modelle für eine aktive und aktivierende Medienpädagogik entgegen, die sich an professionellen Standards der öffentlichen und veröffentlichenden Medien orientierte. Speziell der aktiven Videoarbeit mit Kindern und Jugendlichen galt seine größte Aufmerksamkeit und Hingabe – vom Beginn seiner Dozententätigkeit an bis zuletzt.

Dieter Glaap war derjenige unter den Dozenten und Dozentinnen der Akademie der Kulturellen Bildung, der im Laufe seiner Berufstätigkeit am schnellsten und am meisten hinzulernen musste und der zwar nicht sich selbst, aber doch sein fachliches Angebot im Fortbildungsbetrieb gleich mehrere Male komplett neu erfinden musste. Ergänzend zu den beliebten Videokursen entwickelte er bereits 1987 die ersten Angebote zur kreativen Gruppenarbeit mit Computern. Damit leistete Dieter Glaap echte Pionierarbeit. Die Akademie der Kulturellen Bildung, die ja den Begriff „Medienerziehung“ im Namen führte, war bundesweit das erste Institut, das den Computer für die Jugendarbeit nicht nur salonfähig machte, sondern zügig in neuartige und interaktive Fortbildungsmodelle für die Fachkräfte in der Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit integrierte.

Von 1989 bis weit in die 1990er-Jahre hinein entwickelte Dieter Glaap von Jahr zu Jahr neue Vermittlungs- und Angebotsformate – von einem Labor zur eigenen Herstellung von Computerspielen über das „Remscheider Computerforum“ bis zu dem mehrjährigen Projekt „konnekt!“, das erstmals über eine elektronische Vernetzung für eine fachlich gewinnbringende Zusammenarbeit von Medienwerkstätten, Beratungsstellen und Bildungsinstituten in ganz Deutschland sorgte.

Dieter Glaap war ein neugieriger Mensch und immer auf der Suche nach Neuheiten und neuen Möglichkeiten für die Einbindung der Technik in Prozesse der Kommunikation, des Lernens und der Kultur. So nutzte er ein Praxisprojekt in den USA dazu, um sich über die Formen interaktiver Videoproduktion zu informieren – und kam mit brandaktuellen Erkenntnissen über die rasant wachsende Bedeutung des Internet in die Akademie der Kulturellen Bildung zurück. Bereits 1995 bot er die ersten Seminare an und entwickelte den mehrteiligen Erfolgskurs „Internet komplett“, der über Jahre hinweg bundesweit als Fortbildungsstandard galt und der Akademie der Kulturellen Bildung eine beständige Nachfrage sicherte.

In Fachkreisen und im Dozententeam war Dieter Glaap ein beliebter Teamkollege. Zahlreiche Fortbildungen und Projekte hat er mit anderen gemeinsam entwickelt und geleitet, so vor allem die Medienwerkstätten, E-Learning-Kurse und die anspruchsvolle Qualifizierung zum Medienberater, aus deren Absolventenkreis erfolgreiche Medienpädagogen, Medienberater und Kommunikationsexperten hervorgegangen sind. Viele von ihnen sind in leitenden Funktionen in Bildungs- und Kultureinrichtungen und auch als Gastreferenten für die Akademie der Kulturellen Bildung tätig. In den Fachorganisationen hat Dieter Glaap das Profil und die Interessen der Akademie vertreten – in der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), in der Jury für den Dieter-Baacke-Preis und bei der Stiftung Digitale Chancen.

Dieter Glaap war hartnäckig, wenn es um Ressourcen und Aufmerksamkeit für die Belange der Medienpädagogik ging. Ebenso unnachgiebig konnte er sein, wenn Qualitätsstandards in Frage gestellt wurden – von den Kollegen oder von den Fortbildungsteilnehmern. Im Betriebsrat setzte er sich jahrelang für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Dabei führten sein kluger Humor, seine Verlässlichkeit und sein fairer Umgang mit Menschen immer wieder zu einem guten Ziel.

Dieter Glaap hat das medienpädagogische Profil der Akademie der Kulturellen Bildung entscheidend geprägt. Die Leitung und die Belegschaft werden ihn in guter und ehrenvoller Erinnerung behalten.

 

Susanne Keuchel     Eva-Maria Oehrens

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