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Nachruf: Dr. Ronit Land (1952 – 2018)

Dr. Ronit Land, von 1990 bis 2016 Leiterin und Dozentin des Fachbereichs Tanz an der Akademie der Kulturellen Bildung, ist am 18. Februar 2018 nach langer schwerer Krankheit verstorben. Mehr als 26 Jahre prägte sie die Tanzpädagogik an der Akademie und in der internationalen Szene.

Dr. Ronit Land wurde 1952 als Tochter deutschstämmiger Eltern in Tel Aviv geboren. An der dortigen Universität studierte sie Tanz, Literatur und Theater. Nach ihrem Abschluss ging sie nach London ans Laban-Centre, um ihre Kenntnisse mit einem Studium der Choreografie zu vertiefen. Es folgten Aufenthalte in New York und San Francisco, wo sie mit namhaften Choreograf*innen wie Anna Halprin, Merce Cunningham, Alwin Nikolais und Bonnie Bird zusammenarbeitete und promovierte.

Im März 1990 kam Dr. Ronit Land als neue Leiterin des Fachbereichs Tanz an die Akademie der Kulturellen Bildung. Zuvor leistete sie als Tanzbeauftragte im Bildungsministerium in Israel Pionierarbeit bei der Einführung von Tanz als Abiturfach an Schulen und half beim Aufbau eines Instituts für Tanzpädagogik in Ramallah. Als Redakteurin beim israelischen Fernsehen und Rundfunk trug sie zur Popularität des zeitgenössischen Tanzes in ihrem Heimatland bei.

In der Akademie der Kulturellen Bildung verknüpfte Dr. Ronit Land die Lehre von Anfang an mit der künstlerischen Arbeit. Für eine Kooperation zwischen dem Stadttheater Remscheid und dem Alpha Theater Brüssel holte sie 1993 den belgischen Tänzer Avi Kaiser ins Bergische Land und choreografierte das Stück „Roter Mann – Grüner Mann“. Die Impulse aus den zeitgenössischen Tanzproduktionen und der Praxis ließ sie wiederum in ihre tanzpädagogische Arbeit einfließen. Später gründete sie das Remscheider Tanzensemble, das in wechselnder Besetzung auftrat.

Während ihrer Jahre an der Akademie der Kulturellen Bildung initiierte Dr. Ronit Land interkulturelle tänzerische Austauschprogramme und holte internationale Tänzer*innen und Choreograf*innen von Rang und Namen nach Remscheid, darunter den indischen Avantgardisten Bharat Sharma. An der Akademie schätzte sie den Raum für künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten und kreatives Arbeiten. „Von dem harten Konkurrenzkampf, der unter Künstlern üblicherweise herrscht, ist hier so gut wie kaum etwas zu verspüren“, beschrieb sie damals die Voraussetzungen für ihre Arbeit.

Ihre künstlerische und pädagogische Arbeit verstand sie immer auch als einen Weg, Brücken über kulturelle und gesellschaftliche Grenzen hinweg zu bauen. Seit den Achtzigern engagierte sie sich für künstlerische Friedensprojekte im Nahen Osten. Obwohl eine Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern lange verboten war, choreografierte sie um die Jahrtausendwende zusammen mit dem Tanzensemble Remscheid und dem Komponisten Patrick Lama und Regisseur Akram Tillawi aus Palästina für die Ruhrfestspiele Recklinghausen die erste palästinensische Oper „Kanaan“.

Dr. Ronit Land war nicht nur Choreografin, Tänzerin und Tanzpädagogin. Sie war vor allem Weltbürgerin mit eigenen Tanzensembles in San Francisco, Brüssel, Tel Aviv und Remscheid. In der tanzpädagogischen und -künstlerischen Szene im In- und Ausland genoss sie einen hervorragenden Ruf und galt als ausgewiesene Anna Halprin-Expertin, deren Ansätze sie als unverwechselbare Grundlage ihrer eigenen Tanzpädagogik nutzte. Über die Jahre folgte sie zahlreichen Einladungen rund um den Globus, darunter in die Türkei, den Senegal, nach Israel und Palästina, wo sie ihr tanzpädagogisches Konzept mit Profis und internationalen Tänzer*innen diskutierte und erprobte.

Mit dem Choreografischen Atelier der Akademie der Kulturellen Bildung etablierte Dr. Ronit Land ein Forum für Methoden der Bewegungskommunikation und neue Tanzansätze. Sie machte ihre Schüler*innen mit unterschiedlichen choreografischen Methoden, Bewegungssprachen und Improvisationstechniken vertraut und ermunterte sie, andere Tanzsprachen und dabei eigene Choreografien und Tanzansätze zu entwickeln. In ihrer Ausbildungsarbeit durchdrang Dr. Ronit Land alle Ebenen und ermöglichte es ihren Schüler*innen, aus festen Mustern auszubrechen und den Körper neu zu entdecken. Sie wollte ihre Teilnehmer*innen an die eigenen Grenzen bringen, damit sie diese überwinden können. Es war ihr wichtig, dass die Tänzer*innen immer am Prozess beteiligt waren und der Tanz zwischen Improvisation und Komposition nicht unter sich blieb, sondern mit den Zuschauer*innen in einen Dialog trat.

Die Leitung, der Vorstand und das Team der Akademie der Kulturellen Bildung trauern um Ronit Land und werden sie in guter und ehrenvoller Erinnerung behalten. Nicht nur als eine Tanzpädagogin, die das Profil der Akademie der Kulturellen Bildung über viele Jahre geprägt hat, sondern als humorvolle und geschätzte Kollegin, die im Tanz einen Weg gefunden hat, Brücken zu bauen.

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