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Jugendliche fordern öffentliche Verantwortung für digitale Räume

Die Themen Datenschutz und Netzregulierung sind nicht erst seit der letzten Europawahl politisch stark umstritten. Für junge Menschen spielen sie eine wichtige Rolle, wie erste Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts „(Post-)Digitale Kulturelle Jugendwelten“ zeigen. Die Studie untersucht vorrangig kulturelle und künstlerisch-kreative Phänomene im Analog-Digitalen, thematisiert aber auch allgemeine Einstellungen zu digitalen Lebenswelten, die hier vorab vorgestellt werden. Vor allem Maßnahmen gegen Mobbing und mehr Respekt im digitalen Miteinander sind den Befragten wichtig.

Die repräsentative Umfrage von über 2.000 Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren aus ganz Deutschland zeigt, dass digitaler Stress für die Lebenswelten Jugendlicher ein wichtiges Begleitphänomen ist: 51 % sind der Meinung, dass Verhaltensweisen heute indirekt stark durch Social Media, beispielsweise das Erlangen von „Likes“, bestimmt sind.

Kommerzielle Plattformen wie Facebook und WhatsApp sind dieser Altersgruppe bekannt. Über technische Steuerungsmechanismen, z.B. Social Bots, oder das Phänomen der Filter Bubbles haben jedoch viele noch nie etwas gehört. Immerhin die Hälfte kennt Algorithmen. Allerdings sind unter jenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen nur wenige, jeweils knapp über oder unter 10 %, die diese Steuerungsmechanismen und Phänomene auch kritisch bewerten.

Trotz eher geringer Kenntnisse von technischen Steuerungsmechanismen und ihren Einflusseffekten auf Zugänge und Verhalten digitaler Nutzung zeigen sich viele Jugendliche mit dem Status Quo digitaler Lebenswelten unzufrieden: 71 % der Befragten stimmen einer gesetzlichen Reglementierung im digitalen Bereich zu, wenn sich dadurch Phänomene wie Mobbing eingrenzen lassen, auch wenn dadurch Redefreiheit eingeschränkt würde. 59 % wünschen sich eine internationale Gesetzgebung für alle Anbieter und Nutzer*innen im Internet. 80 % fordern die gleichen Regeln für das Miteinander in digitalen Welten, die auch im analogen gesellschaftlichen Leben gelten: Respekt und Toleranz. Sexuelle Belästigung solle demnach genauso geahndet werden wie in Offline-Szenarien.

Gefordert wird zudem mehr Präsenz von öffentlich geförderten Kulturgütern im digitalen Raum. 65 % der 14- bis 24-Jährigen möchten, dass die Inhalte von Kultureinrichtungen auch digital zugänglich gemacht werden. 62 % sind der Meinung, dass der Zugriff auf digitale Bücher im Internet genauso öffentlich gefördert werden sollte, wie dies beispielsweise analoge Bibliotheken tun. Immerhin 44 % der 14- bis 24-Jährigen wünschen sich eine staatliche Suchmaschine als Alternative für das Netz.

„Jugendliche leben in analog-digitalen Räumen, daher bedarf es auch einer öffentlichen Verantwortung für digitale Räume. Das betrifft nicht nur den Schutz vor Mobbing oder sexueller Belästigung, sondern auch freie Zugänge zu Wissen und Kultur im Digitalen, die nicht von kommerziellen Interessen, Algorithmen und Suchmaschinen gesteuert werden“, bemerkt die Projektleiterin der quantitativen Erhebung und Direktorin der Akademie, Prof. Dr. Susanne Keuchel.

Über das Projekt

Das dreijährige Forschungsprojekt „(Post-)Digitale Kulturelle Jugendwelten“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt des Instituts für Bildung und Kultur und der FAU-Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Akademie der Kulturellen Bildung. Es untersucht, wie sich der digitale Medienwandel auf die aktuelle künstlerisch-kreative Praxis junger Menschen ausgewirkt hat. Die Projektleitung haben Prof. Dr. Susanne Keuchel (quantitative Erhebungen) und Prof. Dr. Benjamin Jörissen inne. Die Hauptergebnisse zu künstlerischen und kulturellen Aktivitäten Jugendlicher im analog-digitalen Raum werden im Oktober vorgestellt.