Zu den Hauptinhalten springen Zur Hauptnavigation springen

Merkzettel

Kursname Kursnummer
Keine Kurse auf Ihrem Merkzettel

Noch nicht sicher, ob Sie richtig liegen?
Wir sind hier, um zu helfen:

Kamishibai – kleines Theater, große Wirkung

Daniela Demmer ist Journalistin, Moderatorin und Kulturmanagerin. Als Projektleiterin bei eine ARThaus e. V. in Köln entwickelt sie kreative Ansätze in der Sprachbildung und vermittelt das Papiertheater Kamishibai als Erzählmedium in bundesweiten Schulungen für pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche.

Warum ist das aus Japan stammende Papiertheater Kamishibai in der pädagogischen Vermittlungsarbeit so beliebt?

Kamishibai wirkt auf vielen Ebenen. Es ist auf den ersten Blick ein Medium, das sehr einfach erscheint, fast schon etwas aus der Zeit gefallen: ein kleiner Holzrahmen als „Bühne“, ein Satz Bildkarten, eine Geschichte – das war’s. Aber gerade in dieser analogen Einfachheit liegt seine große Anziehungskraft. Kamishibai ermöglicht Entschleunigung, Durchatmen und zwischenmenschlichen Kontakt. Kamishibai ist nicht entweder künstlerisch oder pädagogisch wertvoll – es ist beides gleichzeitig. Es arbeitet mit Bildern, Rhythmus, Sprache, Stimme, Dramaturgie – alles künstlerische Mittel, die aber unmittelbar im Bildungskontext wirksam werden.

Welche Chancen bietet Kamishibai für die Sprachbildung?

Kamishibai schafft eine zugewandte, erzählerische Begegnungssituation. Das Sprechen wird nicht geübt, sondern gebraucht. Die Verbindung von Bild, Wort, Gestik und Mimik macht das Gesagte konkret erfahrbar – gerade auch für Menschen, die Deutsch erst lernen. Dabei geht es nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um Ausdruck, Sinn und Teilhabe. Ich sehe immer wieder, wie Kinder oder auch Erwachsene die Erzählung aufnehmen und weiterführen wollen – mit einzelnen Wörtern, ganzen Sätzen oder einer eigenen Geschichte.

Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit im Kamishibai?

Eine sehr große – wenn man sie lässt! Das Kamishibai eignet sich wunderbar dazu, verschiedene Sprachen hörbar und erlebbar zu machen. Gerade in sprachheterogenen Gruppen erleben wir immer wieder, wie stärkend es wirkt, wenn Kinder ihre Familiensprache einbringen dürfen. Kamishibai wird so zum Resonanzraum für individuelle Ausdrucksformen.

Was zeichnet professionelle Kamishibai-Erzähler*innen aus? Was können wir von ihnen lernen?

Mut zur Pause! Denn in der Pause wird das Gesagte lebendig. Also: Langsamkeit und Präsenz. Die besten Kamishibai-Erzähler*innen, die ich kenne, haben nicht einfach „nur“ eine gute Stimme oder eine schöne Geschichte – sie stellen beim Erzählen eine Verbindung zum Publikum her. Sie hören zu, bevor sie erzählen. Und sie lassen Raum für Stille, für Reaktionen, für unerwartete Wendungen. In der Ausbildung lege ich großen Wert darauf, eine Haltung zu vermitteln, die von Respekt, Neugier und Feinfühligkeit geprägt ist. Kamishibai lebt vom zwischenmenschlichen Dialog.

Was erwartet die Teilnehmer*innen des Kurses „Kamishibai. Grundlagen und Potenziale des Papiertheaters“?

Das volle Programm – aber vor allem: eine Woche voller Geschichten! Es geht um Grundlagen der Erzählkunst, um Bilddramaturgie im Kamishibai, um sprachbildende Zugänge, um mehrsprachiges Erzählen – aber besonders um das eigene Erleben und Ausprobieren. Mein wichtigstes Anliegen ist, dass die Teilnehmenden das große Potenzial, das in dieser kleinen Holzbühne steckt, erkennen, erkunden und für sich selbst entdecken. Deshalb erzählen wir Kamishibai-Geschichten für viele Zielgruppen, lernen unterschiedliche Genres kennen, probieren uns als Erzählende aus und reflektieren – und die Teilnehmenden bauen unter fachlicher Anleitung sogar ihren eigenen Butai (Kamishibai-Rahmen).

Interview: Sascha Pranschke

→ Kurs-Tipp: „Kamishibai. Grundlagen und Potenziale des Papiertheaters“ 19.1. – 23.1.2026